„Beacon – Leuchtfeuer mit Zukunft“ oder „Wie der klassische Handel zukünftig Webshops besiegt!“

Ich gehe am Flughafen die tollen Geschäfte entlang und streife ein hochwertiges Geschäft für Frauenunterwäsche. Die Worte meiner Ehefrau fliegen durch meine Synapsen: „Ich freue mich immer sehr, wenn Du mir Wäsche mitbringst.“ Das Portemonnaie sitzt locker, nur: >Welche Größe hat sie noch einmal?<  Das ist ein typischer Kaufhinderer im klassischen Handel. Wenn ich sie jetzt am Telefon fragen würde, welche Größe sie hat, ist die Überraschung weg. Also beschließe ich demnächst einmal nachzufragen, wenn wir gemeinsam einkaufen gehen und kaufe jetzt erst einmal nichts.

So sehen die kleinen Funksender "Beacons" aus.
So sehen die kleinen Funksender „Beacons“ aus.

 

Gut programmierte Online-Shops sind da ganz anders. Wenn ich einmal dort eingekauft habe, merkt sich das Programm, welche Produkte ich mir zu welchem Preis gekauft habe. Beim nächste Einkauf schlägt mir die Website „Produkte die zu Dir passen“ vor. Die Kleidergrößen, Budgets, Markenanspruch und sonstigen Einkaufsneigungen und Zahlen, Daten, Fakten weiß der Shop, weil er sie sich merkt. Nur: Mir macht das Einkaufen Online nicht so viel Spaß. Mit Freude lasse ich mich aber bei einem Einkaufsbummel inspirieren. Allerdings wird einem im klassischen Handel auch hin und wieder der Einkauf vermiest. Ich war kürzlich in einem Geschäft für gehobene Businesskleidung. Es ist in der Nähe meines Instituts und ich gehe in der Mittagspause gerne mal rein. Meine weißen Hemden kaufe ich mit Vorliebe als Hemden mit Manschetten für Manschettenknöpfe. Wieder eine neue, junge Verkäuferin. Meine Kundenkarte ist im Portemonnaie und sie kann natürlich nicht sehen, dass ich ein Stammkunde mit ordentlichem, jährlichen Einkaufsbudget in diesem Geschäft bin. Mein Wunschhemd? Mal wieder nicht lieferbar in der Kragengröße. In fast patzigem Tonfall bekomme ich zu hören „Wir können es ja für Sie bestellen.“ Meine Antwort: „Ich bin hier Stammkunde und kaufe immer dieselben Hemden. Ich komme in den Handel, um mein Hemd mitzunehmen. Bestellen kann ich selbst. Im Internet.“ Anschließend habe ich tatsächlich erstmals Hemden in einem Online-Shop bestellt.

Zweifelsohne hat jeder Absatzkanal seine eigenen Vorteile. Doch was würde passieren, wenn wir dem alleinigen Onlinehandel seine Vorteile wegnähmen?

Wie kann man die Vorteile des Onlineshops mit dem klassischen Handel vermengen? Kann der klassische Handel gar von den Onlineportalen lernen?

Ja. Die technischen Voraussetzungen sind inzwischen soweit. Und die Lösung heißt: „Innenraumnavigation mit Beacons.“

 

Beacons – zu deutsch „Leuchtfeuer“ – sind etwa 4 Zentimeter kleine Low-Energy-Funksender, die über die neueste Bluetooth-Funktechnik 4.0 einfache Informationen an mobile Geräte versenden. Alles was der Service braucht, sind ein Bluetooth kompatibles Smartphone und die dazugehörige App. Experten sind sich jetzt schon sicher, dass Beacons in Zukunft die NFC-Technik ersetzen werden. Ihre Prognose begründen sie damit, dass die Bluetooth Low Energy-Technologie (BLE) einen Datenaustausch mit dem Smartphone über eine größere Bandbreite und Reichweite ermöglicht als die Near Field Communication (NFC). Gleichzeitig spart der neue Bluetooth-Standard kostbare Akkuleistung des Mobiltelefons, worin ein weiterer Vorteil zu sehen wäre.

In der Praxis funktionieren die Beacons wie folgend: Betritt ein Smartphonenutzer das Sendegebiet einer dieser Mikro-Antennen und hat über eine dazugehörige App sein Einverständnis zum Erhalt von Nachrichten eingestellt, sendet ihm der Beacon-Sender signalartig Informationen – wie ein Leuchtfeuer.

Verwendung wird die Funktechnologie zum Beispiel bei der Navigation in Räumen wie Kaufhäusern, Museen oder auch auf einem Zoogelände finden. Gleichzeitig wird der strategisch gut aufgestellte Einzelhandel ein Tool zur Bindung bzw. Rückgewinnung ihrer Kundschaft erhalten. Kundschaft, die inzwischen größtenteils das Online-Shopping vorzieht wird für den klassischen Handel zurückgewonnen.

Umgesetzt könnte das etwa so aussehen: Nachdem der Kunde vor Betreten des Geschäfts einen QR-Code an der Ladentür gescannt hat, erhält er eine Begrüßungsnachricht auf sein Handy, die ihn im Kaufhaus willkommen heißt. Je nachdem welche Abteilung er betritt, signalisiert ihm sein Mobiltelefon individuell abgestimmte Angebote. Die kleinen Beacon-Sender besitzen aktuell eine Reichweite von bis zu 100 Metern und können den Handynutzern durch Triangulation auf bis zu zehn Zentimeter genau im Laden verorten. Steht der Kunde vor einem Regal, kann er also passgenau und personalisiert zu dem Produkt vor ihm informiert werden.

„Hallo Herr Ehlers. Möchten Sie Ihrer Frau nicht wieder einmal etwas mitbringen?“ steht da auf einmal auf meinem Smartphone, „Wenn Sie jetzt nach links abbiegen und den Dingsbums-Shop betreten, erhalten Sie 10% auf die Produktgruppe XXXXX“.

Die Branche hat schon lange von der Möglichkeit einer solchen ortsbezogenen Werbung geträumt, mit den Beacons ist nun die technische Brücke zum Smartphone des Kundens gefunden worden, mit der letzterer abgeholt werden kann, wo er jeweils steht.

Die Technologie wird bereits in einigen europäischen Kaufhäusern eingesetzt. In einem bayerischen Kaufhaus wird eine Teststrecke installiert. Nahezu alle großen Paymentanbieter wollen die Grundlage des Systems überdies für ein bargeld- und kontaktloses Bezahlsystem nutzen. Das bedeutet in der Praxis, dass der Kunde sein Produkt von der Stange nimmt, mit dem Handy bezahlt und nur noch am Ausgang den Strichcode des Produktes einscannen muss, damit sich die Diebstahlsicherung löst. Anstehen an der Kasse wird es nicht mehr geben und das Personal im Handel kann sich auf Beratung und Sortimentspflege konzentrieren.

Die gute Nachricht für Sie: Die Technik ist den Kinderschuhen entwachsen und die Institut Michael Ehlers GmbH ist an Strategie, Planung und Umsetzung von Beacon-Projekten bereits beteiligt. Wir werden hier über die Fortschritte berichten.

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3 Kommentare

  1. Hmm – ich stelle es mir ziemlich unkommunikativ vor, wenn Menschen in Kaufhäusern nur noch mit Blick auf ihr Smartphone rumrennen. Das passiert ja andernorts schon mehr als genug. Mir persönlich wäre es deutlich lieber, beim Betreten eines Kaufhauses eine hübsche, freundliche Verkäuferin an die Seite gestellt zu bekommen, die mich auf meinem Weg durch das Kaufhaus berät. 🙂
    Gerade die Kommunikation mit den Menschen ist es, die mich noch gern in Offline-Shops einkaufen lässt.

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