Sharing Economy #2: Der Fluch des Sharing Zeitalters

Sharing economySharing Economy ist der Überbegriff für einen ganz großen Trend unserer Gesellschaft: Alles teilen und nichts mehr kaufen zu müssen. Im Grunde ein sehr edler Gedanke, denn es lassen sich riesige Mengen an Ressourcen einsparen und ungenutzte Potentiale ausschöpfen. Im besten Fall entsteht eine starke Gemeinschaft der „Sharenden“ und es ist ganz viel Menschlichkeit im Spiel.

Genug der Illusion. Sharing Economy ist nichts anderes, als der neueste Auswuchs des Kapitalismus. Mit Teilen wird Geld verdient und das nun wirklich nicht zu knapp. In der Welt der Sharing Economy ist nicht mehr viel zu reißen mit alten Hippie-Mentalitäten, wie „Was meins ist, ist Deins“. Nein wer teilt, der erhofft sich mehr, als einen rein ideellen Wert.

Profit statt Peace

Verabschieden wir uns also lieber gleich von den romantisch verklärten Anfängen der Sharing Ideologie und sehen wir der Wahrheit ins Auge: Teilen ist Kapitalismus geworden. Die großen Sharing Plattformen werden in ihrem Gewerbe immer dominanter und fachen einen unerbittlichen Preiskampf an. Herkömmliche Anbieter haben kaum mehr eine Chance gegen Airbnb, Uber und Co. Airbnb verdrängt Hotels, Pensionen und B&Bs immer weiter vom Markt durch ihr unerbittliches Preisdumping. Auch für Taxiunternehmen wird die Luft durch Vermittler privater Fahrtdienstleistungen wie Uber immer dünner. Doch der Kampf ist von vornherein unfair, da private Dienstleistungen natürlich günstiger sind. Wie soll ein gewerblicher Dienstleister da noch mithalten können? Sharing Anbieter freut diese Diskrepanz in der Ausgangslage jedenfalls sehr und so wird die Bereitschaft zum Teilen für sie zur wahren Goldgrube und für herkömmliche Anbieter zum Grab.

Wertschätzung? Für viele ein Fremdwort

Doch auch der Endverbraucher kann sich eine ordentliche Scheibe vom Sharing-Kuchen abschneiden, für ihn wird einerseits alles erschwinglicher und andererseits eröffnen sich ganz neue Einkommensquellen. Doch der Überfluss an Möglichkeiten hat auch eine Kehrseite, denn durch das Preisdumping ist auf einmal alles für jeden möglich. Wir verlieren uns im Strudel der unbegrenzten Möglichkeiten und geraten immer tiefer hinein. Wertschätzung? Für viele wird das immer mehr zum Fremdwort, denn nichts ist mehr besonders, kaum eine Anstrengung ist mehr von Nöten, um den nächsten Konsumkick zu bekommen.

Wenn nicht der, dann halt der Nächste, oder der Übernächste 

Natürlich ist hierfür nicht nur die Sharing Economy verantwortlich. Doch sie ist dafür verantwortlich, dass wir eine wichtige Tugend verlieren: Die Fähigkeit zu Denken und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Denn das müssen wir heute nicht mehr, da kaum eine Entscheidung noch von wirklicher Tragweite ist. Früher mussten wir uns noch wirklich überlegen, ob wir eine CD wirklich haben wollen. Wir mussten uns Fragen stellen, wie „Will ich diesen Künstler wirklich hören?“,  „Reicht mir nicht eigentlich das Album, welches ich schon zuhause habe“ oder „Ist es mit das überhaupt wert?“. Das ist alles dank Musik Streaming Diensten, Spotify oder Amazon Music Geschichte. Nachdenken, ob man einen Titel hören will, muss niemand mehr, denn es stehen noch Millionen weitere zur Verfügung. Wenn nicht der, dann halt der Nächste. Oder der Übernächste, die Auswahl ist schließlich grenzenlos. Alles teilen zu können macht unsere Fähigkeit kaputt, verantwortungsvoll Entscheidungen zu treffen. Schließlich müssen wir das auch kaum mehr. Keine unserer Konsumentscheidung ist mehr von Bedeutung. Konsumieren kann jeder, bewusstes Konsumieren scheinen wir jedoch mehr und mehr zu verlieren.

Michael Ehlers neues Buch “Herzlich Willkommen im Datengefängnis”

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