Deutschlands beliebtestes Bewertungsportal Qype wird stillgelegt und mit Yelp zusammengefasst

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Für Unternehmer: Stellen Sie sich einmal vor, sie leiten ein Restaurant, ein Hotel oder ein Fachgeschäft und zukünftig kommt kaum noch Laufkundschaft vorbei? Schlimm? Dann sollten Sie diesen Artikel lesen. Deutschlands wichtigstes Bewertungsportal wird abgelöst. Das neue Portal ist eine große Chance für Sie, da sie mit guten Bewertungen ab sofort auf jedem Apple iPhone oder iPad leicht gefunden werden.

Für Nutzer: Ob das gewünschte Hotel empfehlenswert, der Dom sehenswert, die Cocktailpreise in der Bar zu hoch, die Wassertemperatur im Schwimmbad zu niedrig oder auf dem Salat beim Italiener zu wenig Dressing ist, können Kunden vorab zum Beispiel auf Qype erfahren. 

Die Online-Bewertungsplattform wurde 2005 als europäisches Pendant zum amerikanischen Yelp vom Hamburger Unternehmer Stephan Uhrenbacher gegründet. Auf der Plattform können registrierte Nutzer Restaurants, Bars, Hotels, Clubs, Dienstleistungen und vieles mehr bewerten. Auf der anderen Seite können Gastronomen und Gewerbetreibende ihr Geschäft eintragen und wichtige Daten sowie Bilder hinterlegen.

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Qype wird es ab dem 30. Oktober aber nicht mehr geben. Die Seite wird abgeschaltet und die erstellten Bewertungen und Fotos auf Yelp übertragen. Das Zusammenlegen überrascht nicht, da Qype im Oktober 2012 von Yelp übernommen wurde und Letzteres als börsennotiertes Unternehmen die eigene Marke verfestigen will. Da erscheint es sinnvoll, die konkurrierende Seite abzuschalten und sich die Daten einzuverleiben. Allerdings passiert dies nicht reibungslos. Wie auch schon bei der 2008 geplanten Übernahme von studiVZ durch Facebook ist ein Datentransfer vor allem aus datenschutzrechtlichen Gründen problematisch. Durch ein Aufeinandertreffen der schwachen amerikanischen Gesetzgebung  mit der strengeren deutschen war ein Datenimport von studiVZ auf Facebook weder funktionell noch juristisch möglich. Bei Qype und Yelp ist die Hürde nicht so groß, dennoch ist der Transferprozess holprig.

Zwar heißt es von Seiten Yelps, die Beiträge und Fotos würden von Qype auf Yelp integriert, dennoch muss jeder Nutzer seinen Content selbst übertragen und um weiterhin Kommentare schreiben zu können, ein neues Konto auf Yelp erstellen. Dadurch durchlaufen alle einen Verifizierungsprozess, bei dem der Qype-Content mit dem neuen Yelp-Konto verknüpft wird. Andere Inhalte wie Check-ins, Listen und Beiträge von virtuellen Orten werden weder integriert, noch sind sie manuell übertragbar. Hinzu kommt noch, dass der, der nicht zu Yelp wechseln will, die Plattform-Betreiber um die Löschung der eigenen Daten bitten muss.

Auch die Gewerbetreibenden müssen ihre Angaben überprüfen, da der Verlust einiger Daten nicht auszuschließen ist. Ein paar Gastronomen beklagten sich im Yelp-Forum bereits, dass einige ihrer Bewertungen nicht übernommen wurden. Hier stellt sich die Frage, war es ein Versehen oder möchte Yelp „aufräumen“? Letzteres kann zwar die Qualität der Bewertungen anheben, steigert aber die Unzufriedenheit der Nutzer. Ist also der Nutzer der Verlierer des Ganzen? Zumindest lässt sich sagen, dass Nutzer von Apple-Geräten profitieren, denn bei der Suche auf dem iPhone & Co nach beispielsweise einem Restaurant wird Yelp als erster Eintrag angezeigt.

In Spanien und Italien hat die Ablösung schon stattgefunden. Dabei wurden sämtliche Daten und viele Nutzer erfolgreich in Yelp integriert. Es bleibt also abzuwarten, wie sich Yelp nach dem 30. Oktober in Deutschland entwickeln wird.

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