Flirten Teil III – Das Geschäft mit der Liebe

Young pretty woman using social media on her smartphone

Mir ist aufgefallen, dass ich Dir nicht aufgefallen bin.

Ich würde das gerne ändern!

Pünktlich zum 3. Advent möchte ich Ihnen heute den dritten Teil meines Advents-Specials vorstellen. Heute soll es darum gehen, wie Internetportale unser Flirverhalten verändern. Wie die Anonymität im Netz alle Hemmungen nehmen kann und was mathematische Algorithmen damit zu tun haben.

Übrigens: Die alte Annahme “Die haben sich über das Internet kennengelernt, das kann ja nicht gut gehen!” gilt nicht mehr. Mittlerweile suchen etwa sieben Millionen Singles einen Partner im Netz. Jede fünfte Beziehung wird hier geschlossen. Kaum jemand glaubt noch, das große Glück an der Supermarktkasse anzutreffen.

Sie suchen noch nach der oder dem Richtigen? Dann probieren Sie doch einfach mal Online-Dating-Plattformen, wie Elitepartner oder eDarling aus! Flirten und jemanden “ansprechen” ist im Internet natürlich viel einfacher, als in der Realität. Egal welchem Baujahr Sie angehören, Dating-Seiten gibt es für jede Altersgruppe.

Flirten oder provozieren – beides liegt in der Anonymität des Internets nah beieinander

Seitdem die Internetnutzer sich bewusst sind, dass das Internet ein guter Puffer für Emotionen und den persönlichen Umgang miteinander ist, liest man immer wieder von sogenannten “Trollen”. Das sind Menschen, die bewusst pöbeln, stänkern und hetzen und so den Gesprächsteilnehmer negativ provozieren möchten. Dazu machen sie sich die Anonymität der Internets zu Nutze und verstecken sich hinter falschen Nutzerprofilen. Das Phänomen tritt dort auf, wo sich Internetnutzer über Foren austauschen und diskutieren können. Vor allem dort versuchen die Trolle durch provozierende Aussagen ein Gespräch zu stören.

Nun stellen Sie sich die gleiche Situation bei einer Diskussion im wahren Leben vor. Sie tauschen sich in einer Gesprächsrunde mit Freunden oder Kollegen über ein Thema aus und plötzlich stört Sie jemand, der eine Maske trägt. Er provoziert mit eindeutigen Aussagen und wird persönlich. Fällt Ihnen etwas auf? Richtig, diese Situation wird nie so im echten Leben passieren. Was jedoch wissenschaftlich bewiesen ist, dass sich Personen ungehemmter verhalten, wenn ihr Gegenüber deren Gesicht nicht sehen kann.

Close-up Of Woman With Heart Sign Chatting On Social Networking Site On LaptopUnd genau das ist es, warum das Internet eine Nährboden für persönliche und hetzerische Angriffe sein kann. Aber wie so oft: “haters gonna hate”. Einfach nicht auf solche Aussagen reagieren, denn das bestärkt die Trolle nur in ihrem Hass.

Ungehemmt zu sein bedeutet aber auch nicht immer gleich, dass Menschen nur Böses von sich geben. Hemmungen verlieren kann natürlich auch im positiven Sinne sein. Auf Datingplattformen oder anderen Social-Media-Foren wird oft hemmungslos geflirtet. Ein Kompliment hier, ein Kompliment da: “Nettes Profilbild, Lust ein bisschen zu chatten?” Und das Ansprechen beziehungsweise Anschreiben ist dann auch kein Problem, oder?

Im Internet kann jeder seine Hüllen fallen lassen

Das Internet ist unpersönlicher, denn es fehlt der direkte Augenkontakt, die nonverbalen Signale des Flirts, welche ich Ihnen letzte Woche vorgestellt habe. Somit fallen uns emotionale Angelegenheiten viel leichter. Im Alltag sind Sie sich nicht sicher, ob Ihr Aussehen oder ihre Stimme dem anderen gefallen? Vor dem Bildschirm sieht und hört Ihr Gegenüber nichts von Ihnen. Deshalb fällt es uns auch leichter mit einem Menschen in Kontakt zu kommen. Denn im Internet entfallen alle sozialen Voreinstellungen, wie Macht, Status und Autorität.

Was zunächst zählt, ist der erste Eindruck. Den erlangt man nur anhand des Profils und er wird durch das Gefühl beim Chatten bestätigt oder eben nicht. Aber das ist eine der Paradoxie des Internets: Auch wenn Ihr Foto alles überstrahlt, ist es doch entscheidend, wie Sie online mit Ihrem potenziellen Date kommunizieren. Das geschriebene Wort ist im Online-Zeitalter wichtiger als jemals zuvor. Personen, die gut schreiben können, die intelligent und lustig sind, haben hier ein Bonus.

Diesen Vorteil haben Dating-Plattformen für sich entdeckt. Seit einigen Jahren schießen sie nur so aus dem Boden und haben damit richtig Erfolg. Aktuell sind rund 2500 Partnervermittlungen online. Jeder kann hier seine Plattform finden und Gleichgesinnte treffen. Es gibt Onlinepartnerbörsen für Tierliebhaber, für Satanisten und für Freunde des Automobil-Tunings.

Mehrere Millionen Umsatz und tausende Mitglieder zählen die großen Plattformen. Parship ist Marktführer in Deutschland mit 5,2 Millionen registrierten Nutzern. Elitepartner kommt auf circa 4 Millionen registrierte Nutzer, an Platz drei rangiert eDarling mit 2,8 Millionen. Das Geschäft mit der Liebe boomt!

Das Verkaufsargument Liebe

Ihnen sind in letzter Zeit bestimmt die aufwändigen Werbemaßnahmen der Dating-Plattformen im Fernsehen, Netz oder Plakaten aufgefallen? Die Plattform parship.de beispielsweise, wirbt mit jungen und gutaussehenden Models. Den Spruch “Ich parshippe jetzt!” haben Sie bestimmt schon mehr als ein Mal gehört. Mit positiven Emotionen hat man Menschen schon immer gewinnen können, vornehmlich natürlich mit Liebe und Zuneigung. Denn wer sehnt sich nicht nach einem Menschen, der einem Halt gibt? Bei sehr positiven Emotionen schaltet sich der Verstand aus, man befindet sich im rosaroten “Disney-Modus” und das spielt den Plattformen natürlich in die Taschen.

Unglaubliche 360 Euro im halben Jahr beispielsweise, muss der Liebessuchende für seine Premium-Mitgliedschaf bei parship.de hinlegen. Glauben Sie nicht? Ist aber so! Da das Gefühl der Verliebtheit letztendlich unbezahlbar ist, investieren die Nutzer dieses Geld sogar gerne.

Eine feste Beziehung, bitte!

Weil sich der Zeiger der Zeit heute gefühlt viel schneller dreht, als noch vor 50 Jahren, wächst das Bedürfnis der Menschen nach Beständigkeit. Nur haben wir keine Zeit mehr zwischen Meeting und Dienstreise unser Herzblatt zu finden. Deshalb kann es sinnvoll sein, im Internet zu daten. Zum einen ist es viel sicherer, denn Sie müssen nicht in einer Bar von Dutzenden Männern oder Frauen ansprechen. Sie können jemanden zunächst kennenlernen, bevor Sie sich mit ihm treffen und so vorher die Spreu vom Weizen trennen.

Eine feste Beziehung – sei es auf freundschaftlicher oder auf der leidenschaftlichen Ebene – ist allerdings einer der wichtigsten Faktoren im Leben eines Menschen. Die meisten Menschen sehnen sich auch nach diesem festen Anker in ihrem Leben. Ohne feste soziale Kontakte würden wir nicht überleben. Wie wir Ihnen im Teil I bereits gezeigt haben, dient der Flirt dem Urzweck unseres Daseins.

Genau auf diesen Grundbedürfnissen der Menschen setzen Partnerbörsen in ihrem Geschäftsmodell. Doch mit welchen Mechanismen arbeiten diese Plattformen eigentlich? Wie ist es möglich, dass eine Dating-Plattform weiß, welche Vorlieben ich bei der Partnerwahl habe und wer gut zu mir passt?

Algorithmus is watching you!

London, UK - June 4, 2015: various dating websites displayed on computer screen

Als das Online-Dating, oder auch E-Dating, in den 1990er Jahren noch in den Kinderschuhen steckte, musste man sich durch Profile “blättern” und hat sich das Objekt der Begierde noch selbst aussuchen müssen.

Inzwischen sind wir natürlich viel weiter. Algorithmen bestimmen nun, wer zu Ihnen passt und wer eben nicht. Ja, genau das haben nun nicht mehr Sie selbst zu bestimmen. Na gut, ein wenig Selbstbestimmung bleibt Ihnen trotzdem. Sie müssen sich ja schließlich für eine der vorgeschlagenen Personen entscheiden.

Wer Ihnen als “Match”, also als passender Gesprächspartner, vorgeschlagen wird, wird durch die Angaben ermittelt, die Sie bei der Erstellung Ihres Profils angegeben haben. Persönliche Vorlieben, Hobbies, politische Interessen oder welches Haustier Sie besitzen werden so miteinander abgeglichen.

Doch nicht nur das: Sie müssen sich im Zuge der Anmeldung einem Persönlichkeitstest unterziehen. Dieser psychologisch fundierte Test (auch Fünf-Faktoren-Modell genannt) arbeitet mit den fünf Dimensionen (engl.“big five”) der menschlichen Persönlichkeit. Die sind bei jedem Menschen, egal aus welchem Land oder Kulturkreis er stammt, gleich. Demnach lässt sich jeder Mensch, mit seinen bestimmten Werten auf folgenden Skalen einordnen:

  • Offenheit für Erfahrungen
  • Gewissenhaftigkeit (Perfektionismus)
  • Extraversion (Geselligkeit)
  • Verträglichkeit bzw. Kooperationsbereitschaft, Empathie
  • Neurotizismus (emotionale Verletzlichkeit)

Nachdem ihre Werte errechnet wurden, erfolgt das Ermitteln der Werte, die ihr perfekten Gegenstück besitzen sollte. Dieses “Matchen” ist die Aufgabe der dafür programmierten Algorithmen, die erst seit der Jahrtausendwende ihren Dienst antraten. Jedes Dating-Portal hat sein Augenmerk auf verschieden eingestellte Algorithmen. Dabei gilt: Je durchschnittlicher man sich gibt, desto größer der Personenkreis, mit dem man matchen könnte.

So viel Übereinstimmung wie möglich, so viele Gegensätze wie nötig, erklärt der Kopf hinter dem Matching-Algorithmus von Parship, Hugo Schmale. “Es sei zwar nicht wissenschaftlich erwiesen, aber über den Daumen gepeilt könne man sagen, die Profile zwei Menschen sollten zu 80 Prozent übereinstimmen. Wichtig sei zudem das richtige Verhältnis von Männlichkeit und Weiblichkeit. Ein dominanter Mann könne niemals mit einer dominanten Frau glücklich werden.”

Sie wollen mehr darüber wissen? Blättern Sie doch in meinem Buch “Herzlich willkommen im Datengefängnis” mal zu Kapitel 12!

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