Führung mit Stil

An was denken Sie, wenn Sie das Wort „Führung“ hören? Autorität und Dominanz? Führung ist weit mehr! Erfahren Sie, wie heute richtig geführt wird. Wir stellen Ihnen die von Max Weber und Kurt Lewin geprägten Führungsstile vor. Außerdem erhalten Sie in diesem Beitrag wertvolle Tipps, die Ihnen dabei helfen, Ihre Kompetenz als Führungskraft zu verbessern.

Selbstsicherheit und Leistungsorientierung, Rationalität, Flexibilität, Fairness und nicht zuletzt Charisma – nicht nur diese Eigenschaften sollte eine gute Führungskraft mitbringen. Wer seine Mitarbeiter gut führen möchte, braucht vor allen kommunikative Kompetenzen! Motivieren, Feedback geben, Gespräche führen und der richtige Umgang mit den Mitarbeiten stehen für Führungskräfte an der Tagesordnung. Von unserer neuen Serie „Rhetorik für Führungskräfte“ lernen nicht nur potenzielle Führungskräfte viel, sondern auch all diejenigen, die bereits länger im Geschäft sind. Freuen Sie sich auf zahlreiche spannende Beiträge rund um das Thema Rhetorik und Führungskräfte! 

 

Zum Einstieg: Führungsstile nach Max Weber und Kurt Lewin

 

Was sind Führungsstile?

@luckybusiness

Vor fast 100 Jahren haben die Wissenschaftler Max Weber und Kurt Lewin verschiedene Führungsstile festgehalten – anhand dieser lassen sich Vorgesetzte noch heute individuell einordnen. Aber was ist ein Führungsstil?

Als Führungsstil wird die persönliche Art eines Vorgesetzten bezeichnet, mit der dieser ein Unternehmen oder Mitarbeiter führt. Hierbei bildet sich in der Regel ein von der Situation unabhängiges, stabiles Verhaltensmuster heraus. Die Grundeinstellung, die der Vorgesetzte gegenüber seinen Mitarbeitern hat, kommt durch dessen Verhalten hierbei zum Ausdruck. Entscheidend ist, dass der Erfolg des Unternehmens und der Führungsstil oft in Abhängigkeit zueinanderstehen. Werden Mitarbeiter gut geführt, steigt deren Zufriedenheit folglich. Das Resultat ist, dass auch die Kundenzufriedenheit steigt – natürlich macht sich das auch in Hinblick auf das Wachstum des Unternehmens bemerkbar.

 

Führungsstile nach Max Weber

 Nachfolgend werden Max Weber (1864 – 1920) und vier verschiedene Führungsstile, die auf ihn zurückgehen, vorgestellt. Max Weber ist als Experte auf den Gebieten Soziologie sowie Kultur- und Sozialwissenschaften bekannt. Angelehnt an die Frage danach, warum sich Menschen beherrschen lassen, hat der Soziologe einige Typen von Führungsstilen, die wir Ihnen nachfolgend vorstellen, definiert.

Der patriarchalische Führungsstil

Er gilt als der älteste Führungsstil und war vor allem in den vergangenen Jahrzehnten gängig.  Heute wird er vorwiegend noch in mittelständischen Unternehmen oder kleineren Familienbetrieben praktiziert. Die Autorität, die auf einem Vorsprung hinsichtlich der Reife, der Erfahrung und des Wissens basiert, gilt hier alleine dem Vorgesetzten, weshalb die Struktur in solchen Unternehmen als streng hierarchisch einzuordnen ist. Die Mitarbeiter haben keinerlei Mitspracherecht bei Entscheidungen. Der Vorteil dieses Systems besteht in der Vergleichbarkeit mit einem „Vater-Kind-Verhältnis“, der Vorgesetzte verhält sich fürsorglich und steht seinen Mitarbeitern für Gespräche zur Verfügung. Einen Nachteil gibt es auch: Ob sich die Mitarbeiter mit ihrer Führungskraft identifizieren ist abhängig von der individuellen Motivation und Persönlichkeit.

Der charismatische Führungsstil

Vor allem in Mittelstands- und Großunternehmen sowie Eigentümerunternehmen wird dieser Führungsstil ausgeübt. Wie beim patriarchalischen Führungsstil obliegt auch hier die alleinige Herrschaft dem Vorgesetzten. Der Führungsanspruch basiert alleinig auf der Ausstrahlung der Führungsperson. Die Mitarbeiter werden von den Ansichten des Chefs überzeugt. Das Charisma sowie die Ausstrahlung des Vorgesetzten sind die Basis für diesen Führungsstil. Ein positives Charisma des Vorgesetzten kann ein Ansporn für die Mitarbeiter sein. Vor allem in Unternehmenskrisen und Ausnahmesituationen ist dieser Führungsstil gefragt – hier ist es taktisch klug, eine Lösungsstrategie durch den Vorgesetzten zu initialisieren. Ist der Vorgesetzte zu charismatisch kann sich dies jedoch auch zum Nachteil entwickeln, denn dann besteht die Gefahr, dass dieser nicht ernst genommen wird.

Der autokratische Führungsstil

Der autokratische Führungsstil wird häufig in Großunternehmen praktiziert. Auch hier hat die Führungsperson die alleinige Herrschaft im Unternehmen – im Gegensatz zu den bereits vorgestellten Führungsstilen mangelt es jedoch an Fürsorge und Ausstrahlung. In Unternehmen, die autokratisch geführt werden, herrscht ein Anweisungs- und Kontrollsystem – Verhaltenskontrolle hat hier oberste Priorität. Ein Vorteil ist also, dass der Durchsetzung der Unternehmensziele strikt nachgegangen wird.  Die Ansicht, die ausgelebt wird, besagt, dass ein großer Betrieb kontrolliert und organisiert werden muss – keiner soll gegen das herrschende Ordnungssystem verstoßen. Dieses Ziel erreicht die Führungskraft mithilfe eines Entscheidungsapparats, der Durchsetzung und Entscheidung strikt trennt. Dass das Wohl der Mitarbeiter hier in den Hintergrund rückt, ist als Nachteil zu werten. 

Der bürokratische Führungsstil

@joel_420

Ursprünglich hat sich der bürokratische Führungsstil aus dem autokratischen Führungsstil entwickelt. Wie der Name bereits erahnen lässt, werden die Unternehmensstruktur und der Arbeitsablauf durch Vorschriften und Gesetze geregelt – völlig personenunabhängig. Ein Vorteil ist, dass die Mitarbeiter nicht der Willkür einer Person ausgesetzt sind – alles wird ausnahmslos bürokratisch geregelt. Dieser Führungsstil hat jedoch auch einige Nachteile: Die Fachkompetenz der Mitarbeiter wird durch Regeln eingeschränkt. Außerdem ist es fast unmöglich die festgehaltenen Regeln zu verändern, vor allem in Zeiten der Krise kann dies, wenn schnelle strukturelle Änderungen erforderlich sind, problematisch werden.

 

Führungsstile nach Kurt Lewin

 Nach der Vorstellung von Max Weber befinden wir uns nun im Jahr 1937. Kurt Lewin (1890 – 1947), der als Begründer der modernen Sozialpsychologie gilt, hat damals in der Iowa Child Welfare Station anhand von Jungengruppen die Auswirkung verschiedener Führungsstile auf die Gruppenatmosphäre untersucht. Aus dem Projekt resultierte die Definition dreier Arten von Führungsstilen. Außerdem stellte der Psychologe fest, dass jede Führung besser ist, als gar keine. Als eine Gruppe aus dem Ruder lief, wurde diese alleine gelassen. Die Folge waren die schlechtesten Resultate in Hinblick auf Aufgabeninteresse, Zufriedenheit und Gruppenzugehörigkeit. Die Gruppe zeigte sogar aggressive Verhaltensweisen. 

Der autoritäre Führungsstil

 Der autoritäre Führungsstil war vor allem in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg weit verbreitet und wird heute kaum noch praktiziert. Die Führungskraft hat hier ohne Einschränkungen das Sagen. Die Meinung der Mitarbeiter wird unterdrückt, wobei es stets die Pflicht ist, der Führungskraft zu gehorchen. Wer widerspricht wird eliminiert. Dieser Führungsstil hat einige Nachteile – aufgrund der hierarchischen Struktur ist das Verhältnis zwischen den Mitarbeitern und dem Vorgesetzten sehr distanziert. Der Mitarbeiter ist außerdem demotiviert und kann keinerlei Eigeninitiative zeigen. Wenn der Vorgesetzte nicht vor Ort ist, kommt die Arbeit schnell zum Stillstand. 

Der kooperative/ demokratische Führungsstil

 Mitarbeiter werden von ihrem Vorgesetzten wertgeschätzt und sind diesem nicht untergeben. Teilweise wird Verantwortung von Führungskräften an Mitarbeiter abgegeben. Anstatt einer Fremdkontrolle kontrolliert sich jeder zunehmend selbst. Bei diesem Führungsstil werden Mitarbeiter materiell sowie immateriell am Erfolg des Unternehmens beteiligt. Ein deutlicher Vorteil liegt somit in der Wertschätzung der Mitarbeiter. Der kooperative Führungsstil bringt auch einen Nachteil mit sich. Die Konsensbildung kann sehr langwierig sein und unter den einzelnen Mitarbeiten kann es schnell zu einem Konkurrenzkampf kommen.


Der Laissez-faire Führungsstil

In Unternehmen, die in diesem Stil geführt werden, haben Mitarbeiter viele Freiheiten. Die Kontrolle sowie die Entscheidungen liegen bei der Gruppe. Aufgabenverteilung und Organisation werden durch die Mitarbeiter selbst verteilt und bestimmt. Die Führungskraft greift weder ein, noch hilft oder bestraft sie – lediglich bei Bedarf vermittelt sie nötige Informationen. Dieser Führungsstil hat einige Vorteile: Individualität und eine eigenständige Arbeitsweise werden den Mitarbeitern gewährt. Nachteile: Dadurch, dass keiner den Ton angibt, kann es schnell zu einem Mangel an Disziplin sowie Rivalitäten und Streitereien kommen. Ein Streitpunkt könnte die Kompetenz der Mitarbeiter sowie die Bildung von informellen Gruppen und Außenseitern sein.

 

Das macht eine gute Führungskraft heute aus

@GianlucaCiroTancredi

Durch viele neue Herausforderungen in der heutigen Arbeitswelt sind Führungskräfte dazu gezwungen, ihrer Pflicht in einer anderen Art und Weise als früher nachzugehen. Dazu hat letztendlich auch die Struktur des Arbeitsmarkts beigetragen. Gute Mitarbeiter, denen keine Wertschätzung entgegengebracht wird, suchen sich schnell einen neuen Arbeitgeber. Von den Führungskräften wird viel Flexibilität und Sensibilität abverlangt. Wir befinden uns mitten im „War for Talents“ – genau deshalb ist es wichtig, gute Mitarbeiter zu halten.

Wenn Sie sich als Führungskraft profilieren möchten, sollten Sie sich schleunigst vom „Command and Control“-Stil lösen. Wer gute Leistung bringt, dem sollte mit Respekt und vor allem auf Augenhöhe entgegengetreten werden. Der Vorgesetzte von heute pocht nicht auf seine Macht, sondern leitet seine Mitarbeiter kollegial. Eine Führungskraft muss Menschen mögen. Das Interesse an den Mitarbeitern sollte echt sein, denn wer anderen bei der Karriere hilft, wächst daran selbst. Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter bei Entscheidungsprozessen mit ein und teilen Sie auch die Erfolge mit ihnen.

Talente entdecken, Stärken fördern

Wer seine Mitarbeiter unter Druck setzt und Fehler bestraft, hat als Führungskraft heute nur noch bedingt Erfolg. Wenn Sie als Führungskraft anerkannt werden möchten, sollten Sie auf Vertrauen setzen, denn durch Vertrauen erlangen die Mitarbeiter Zuversicht sowie Selbstvertrauen. Eine gute Führungskraft vertraut ihren Mitarbeitern also und gibt Verantwortung an diese ab, auf diese Weise werden das Potenzial sowie die Qualifikationen der Mitarbeiter wertgeschätzt. Die Rolle eines Vorgesetzten gleicht heute der eines Coaches oder Mentors. Es gilt, die Talente der eigenen Mitarbeiter zu entdecken und entsprechend zu fördern. Eine offene Kommunikation ist dabei unabdingbar.

Im Gegensatz zu früher spielt heute das Teamgefühl eine wesentlich ausschlaggebendere Rolle. Als Führungskraft sollten Sie folglich ein Teamplayer sein und hierarchisches Agieren vermeiden. Teams, deren Mitglieder sich durch die unterschiedlichsten Charaktere, Fähigkeiten und Fachbereiche auszeichnen, sollen von der Führungskraft zusammengestellt werden. Es ist wichtig, dass Sie die einzelnen Mitarbeiter individuell bei deren Stärken abholen und ebendiese fokussieren. Darüber hinaus ist es äußerst wichtig, dass Sie parallel auf die Bedürfnisse mehrerer Generationen eingehen.

 

Wenn Sie diese Aspekte im Hinterkopf behalten und berücksichtigen, werden Sie als Führungskraft mit Sicherheit noch erfolgreicher als bisher. Im nächsten Teil unserer Serie „Rhetorik für Führungskräfte“ erklären wir Ihnen die Führungsmodelle Bad Harzburg und St. Gallen.

 

 

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