Neues aus dem WOBLA: Schönreden versus schön reden

Rhetorik-Experte Michael Ehlers. Foto: Steven P. Carnarius

„Wir lästern nicht. Wir erörtern Tatsachen!“- Ein hervorragendes Beispiel für Schönrederei, derer sich Männer und Frauen häufig im Alltag bedienen, um ihr Gewissen zu erleichtern und vor anderen ihr Gesicht zu wahren. Das englische Äquivalent ist das sogenannte „sugar coating“. Es handelt sich hierbei um ein Idiom, das wörtlich übersetzt „Zuckerguss“ bedeutet und metaphorisch bereits die Definition für Schönrederei enthält: Der Redende macht bewusst einen negativen Sachverhalt unkenntlich, indem er ihn mit einer Schicht wohlklingender „Alternativfakten“ überzieht.

Was wollen Sie repräsentieren?

Aus rhetorischer Sicht sollten Sie gänzlich darauf verzichten Tatsachen zu verdrehen. Sie signalisieren Ihrem Gegenüber damit nämlich Folgendes über sich selbst: Sie sind feige, unehrlich, nicht in der Lage zu reflektieren und damit entwicklungsresistent. Vor allem in Gesprächen mit (potenziellen) Arbeitgebern kann Ihnen das zum Verhängnis werden. Was aber können Sie tun, wenn Ihr Chef Ihnen eine unangenehme Frage stellt? Arbeiten Sie mit positiv bewerteten Synonymen und verzichten Sie in solchen Situationen unbedingt auf das Wort „nicht“!

Bleiben Sie cool!

Ein kleines Beispiel: Ihr Chef fragt Sie, ob Sie mit einer Aufgabe fertig sind. Sie werden nervös und überlegen, was Sie jetzt am besten sagen, denn die Aufgabe liegt zur Hälfte bearbeitet immer noch auf Ihrem Schreibtisch. Gedanklich haben Sie längst „Nein, bin ich nicht!“ geantwortet, aber da Sie versuchen den Schaden für sich so gut es geht zu begrenzen, ohne Ihren Chef anlügen zu müssen, sagen Sie: „Bis jetzt habe ich XY erreicht.“ Durch eine so simple Umformulierung kommunizieren Sie die gleiche Tatsache auf eine wesentlich positivere Art und Sie werden feststellen, dass Ihr Vorgesetzter gemäßigter reagiert. Ein zweites Beispiel: Während eines Vorstellungsgesprächs werden Sie nach Ihren Schwächen gefragt. Eine der gängigsten Antworten ist hier der Hang zum Perfektionismus. Rhetorisch ist sie allerdings suboptimal, weil sie in vielen Köpfen schnell den Gedanken an Kleinlichkeit auslöst. Eleganter ist es beispielsweise, auf Ihren überdurchschnittlich hohen Qualitätsanspruch zu verweisen. Der Inhalt ist implizit bei beiden Antworten der gleiche, wobei Sie bei letzterer zweifelsohne punkten können.

Spielen Sie also mit Worten, erweitern Sie Ihren Wortschatz vor allem durch positiv bewertete Begriffe und bleiben Sie in jedem Fall bei der Wahrheit, denn Ehrlichkeit währt bekanntlich am längsten!

Das WOBLA druckt einmal im Monat in Kooperation mit dem Institut Michael Ehlers eine Kolumne zum Thema Rhetorik.

Mehr zu Rhetorik finden Sie auf www.der-rhetoriktrainer.de .

 

Redaktionelle Mitarbeit: Arista Heß

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