Gastbeitrag: Lernen mit Social Media – eine Einschätzung von Albrecht Kresse

Die Lernspezialistin Jane Hart veröffentlicht alljährlich die Liste der Top 100 Tools for Learning. Darin findet man die mittlerweile etablierten Internet-Klassiker Wikipedia, YouTube, die iTunes University und andere bekannte Anlaufstellen, die in Hülle und Fülle das Wissen der Menschheit bereitstellen.

Die Überraschung: Auf den ersten zehn Rängen der aktuellen Liste finden sich dieses Mal gleich drei Soziale Netzwerke. Und jetzt kommt’s. Auf Platz 1 der Top 100 Lern-Tools? Twitter!

Was genau hat der Micro-Blogging Dienst Twitter mit Lernen zu tun? Dieser Frage sind wir nachgegangen und haben Twitter einen Artikel im edutrainment Blog gewidmet, der die sinnvollen Einsatzmöglichkeiten des Kurznachrichtendienstes aufzeigt.

An dieser Stelle steigen wir noch tiefer ein und versuchen die Frage zu beantworten: Was sind allgemein die Vorteile von Social Media für das Lernen?

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Vielleicht kennen Sie das noch von früher: etwas im Lexikon nachschlagen. Wollte man damals wirklich viele Informationen aus verschiedenen Quellen, dann stoß der Platz auf dem Schreibtisch schnell an seine Grenzen. Heute ist der Zugriff auf die verschiedenste Inhalte nur einen Mausklick entfernt: Videoaufzeichnungen von Vorträgen, Interviews, Manuskripte, Artikel, Bücher, Präsentationen, Blogs oder ein aktueller Tweet vom Experten persönlich. Insbesondere die Sozialen Netzwerke führen zu einer weiteren Verflechtung der zahlreichen Inhalte im Word Wide Web. Das Internet wird zu einem immer reichhaltigeren Informationsnetzwerk, dass dank der Web 2.0 Entwicklung durch immer mehr Personen Informationen, Wissen und Austausch zu Tage fördert. Ein Beispiel: Gerne teile auch ich an dieser Stelle mit Ihnen etwas – einen passenden iPad App Tipp: WikiLinks. Eine optisch tolle Aufbereitung der Informationsrecherche, die die Verflechtung des Wissens etwas verdeutlicht.

Aber das Mitmach-Internet fördert nicht nur die Bereitstellung von Informationen, auch der Umgang unterliegt einem Wandel.

Sie kennen Ihre Gewohnheiten vor dem PC: Der E-Mail Client ist geöffnet, Sie sind in einigen Sozialen Netzwerken angemeldet und in atemberaubender Geschwindigkeit pfeifen eine Hand voll Messenger-Dienste Ihnen die neuesten Nachrichten um die Ohren.

Was turbulent klingt, verzahnt nicht nur den Umgang mit Inhalten, sondern führt auch zu einem produktiveren Miteinander. In der Dropbox hat der Kollege die gewünschte Änderung der Datei schon vorgenommen, während Sie über Facebook, Skype oder WhatsApp rasch an das Team die nächsten Korrekturwünsche übermitteln.

Die Kommunikation mit Social Media Tools ist auch ein immenser Katalysator für den Lernprozess. Und die Mittel werden bereits heute zielgerichtet eingesetzt. Zum Beispiel Studien-, Volkshochschul- oder Sportgruppen eröffnen stets Facebook- oder WhatsApp-Gruppen, um zu einem bestimmten Thema an einer zentralen Stelle einen flexiblen Austausch führen zu können.

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Enterprise-Social-Networks, wie z.B. Yammer, versuchen die Art und Weise, wie wir Soziale Netzwerke intuitiv nutzen, auf die interne Unternehmenskommunikation zu übertragen. So werden durch Social Media ganz neue Potenziale für die Kommunikation und Arbeitsweise freigesetzt.

Aber nicht nur in eingegrenzten Bereichen, auch in der öffentlichen Kommunikation bietet Social Media große Chancen.
Nehmen wir die Etablierung von Hashtags bei Veranstaltungen: Das HR BarCamp in Berlin (ein innovatives Format für den Austausch unter HR-lern) transportiert zum Beispiel mit Hashtags Inhalte, die offline stattfinden, auch ins Web. Mit dem Hashtag – dieses Jahr #hrbc14 – kann jeder Interessierte mit Hilfe der Hashtags in die einzelnen Kleingruppen „reinschauen“. Richtig eingesetzt bieten solche Mechanismen wirkliche Mehrwerte für den Informationsaustausch.

Die Möglichkeiten der sozialen Interaktion schaffen Mehrwerte für das informelle Lernen, die sich nicht leugnen lassen. Die Auswirkungen auf die Didaktik der Zukunft sind dabei noch gar nicht abzusehen. Wenn heute ein Teilnehmer im Training etwas „gegen-googelt“, freue ich mich darüber. Eine Beschäftigung mit dem Inhalt – super, so soll es doch sein! Ob das Lehrer in der Schule bereits heute genauso einschätzen?

Bereits heute gibt es beim sinnvollen Einsatz von Social Media Risiken, die ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden sollten:

Trivialisierung und heterogene Qualität

Ein toller Trend sind aktuell Infografiken, die Inhalte ansprechend visualisieren. Problem dabei: Sie reduzieren Inhalte auf ein Minimum oder blenden Wesentliches sogar aus. Auch die Qualität von Artikeln, Blogs und ganzen Webseiten reicht stets von banalisierend bis literaturpreisverdächtig.

Einfluss subjektiver Meinungen

Bereits in der Schule wird (oft vergeblich) versucht zu vermitteln, warum Wikipedia als Quelle bedenklich sein kann: aufgrund der mangelnden Reflexion. Gerade im Social Web finden sich subjektive Meinungen stets und überall – hier ein Gespür für die Unterscheidung von Meinungen und Fakten zu entwickeln, wird immer schwieriger.

Prokrastination und Ablenkung

Einmal das Smartphone in die Hand genommen, Facebook und Twitter aufgerufen – schon weiß man eigentlich gar nicht mehr, was man genau machen wollte. Warum? Weil man durch die Sozialen Netzwerke in einer Tour mit immer neuen Inhalten überflutet wird. Das Risiko hier durch eigentlich irrelevante Inhalte abgelenkt zu werden ist enorm.

Reduzierung und Unklarheit

140 Zeichen in Ehren – aber so mancher Buchtitel ist schon länger. Die typischen Webgepflogenheiten in der Ausdrucks- und Schreibweise führen unter Umständen zu Abstrichen in der Verständlichkeit und gefährden darüber hinaus den wirklich qualitativen Informationsaustausch.

Als Geschäftsführer eines innovativen Lösungsanbieters für Personalentwicklung begrüße ich dennoch stets die spannenden Möglichkeiten, die uns Social Media und die rasanten Entwicklungen im Internet bieten.

Hinter der Fassade grübeln wir bereits fleißig, wie wir hier selber Mehrwerte für das Lernen generieren. Mit einer Kommentar- und Austauschfunktion für die Online Version unserer skillboxx Lernkarten? Einer Videoplattform für eine öffentliche Experten-Fragerunde? Coaching via Twitter?

Seien Sie – so wie wir von edutrainment – gespannt auf die weitere Entwicklung im Social Web und gestalten Sie sie aktiv mit!

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Albrecht Kresse veröffentlich am 31. März 2014 das Edutrainment Buch: Besser, schneller, einfacher lernen im Unternehmen. Er gilt als der Lernexperte und entwickelt mit seinem Team der edutrainment company aus Berlin individuelle Personalentwicklungslösungen. Das erwähnte skillboxx Konzept gewann kürzlich den anerkannten Deutschen Weiterbildungspreis. Mehr unter: www.edutrainment.com.

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