Pick Up Artists – Wie schüchterne Jungs lernen, auf groteske weise Frauen aufzureißen.

Sie treffen sich in Gruppen im Park. Sie gehen gezielt auf Partys. Sie belagern Innenstädte. Ihr gemeinsames Ziel: Frauen aufreißen. Die Rede ist von Pick-Up-Artist (PUA), vermeintliche Profis in der Kunst der Verführung. Überdurchschnittlich schöne Frauen sind das Objekt der Begierde der Pick-Up-Artists. Und Objekt ist dabei der richtige Ausdruck. Eine große Community hat sich da inzwischen gegründet, denen man einfach in ihren Foren folgen kann um deren „Kunst“ und die Erlebnisse damit zu verfolgen. Wir haben das eine Weile gemacht und sind auf eine fremdartige Welt gestossen. Sektenähnlich haben die PUA´s  ihre eigene Sprache entwickelt und schirmen sich regelrecht von Kritik ab. Auch reden sie sich selbst die niederen Beweggründe ihrer Absichten gut. „Die Frauen wollen es doch so…“.

Ein freundliches Auftreten, Humor oder Hilfsbereitschaft des weiblichen Gegenübers ist den „Artists“ egal. Hauptsache das auserkorene „Hot Babe“ erzielt einen hohen Wert auf einer Skala von 1 bis 10. Denn erst dann lohnt es sich, das „Target“ überhaupt anzusprechen. Dabei ist die versprochene Erfolgsquote hoch, denn der Credo lautet: Liebe ist kein Zufall, sondern nur eine Frage der richtigen Technik. Das sogenannte „Gamen“ von Frauen klingt nach einem spaßigen Spiel, ist es aber nicht. Zumindest nicht für die Frauen.

Stalker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schnelle Lösungen für einsame Herzen

Die Anführer der Szene werden gefeiert wie Rockstars.

Denn Mystery, Style und Juggler verkörpern für eine Vielzahl an Männern den perfekten Verführer. Sie erobern die schönsten Frauen und das schnell und unkompliziert. Eine riesige Community blickt auf zu ihren Pick-Up Gurus.  Mit ihrem Versprechen, durch ein paar einfache Tricks jede Frau der Welt bekommen zu können, passen die Pick-Up-Artists perfekt in unsere heutige Gesellschaft, die stetig auf der Suche nach schnellen und unkomplizierten Lösungen ist. In zahlreichen Seminaren und auf so genannten „Lairs“ (Treffen der Mitglieder in Großstädten), lehren die Anführer der Szene die perfekte Masche des Verführens.

Mit pseudowissenschaftlichen Methoden ins Feld

Reichlich Küchenpsychologie wird so angewandt, um den Teilnehmern von Pick-Up-Seminaren das perfekte Rezept zum Aufreißen zu vermitteln. Eine beliebte Lehrmethode ist dabei das „Push&Pull“, bei dem das Objekt der Begierde abwechselnd stark geneckt und mit Komplimenten überschüttet wird. So soll die Anziehungskraft des Mannes gesteigert werden. Auch wird NLP (Neurolinguistische Programmierung) so eingesetzt, dass durch die gezielte Konditionierung eine psychische Abhängigkeit der Frau vom Mann als einziges Ziel herhält. Bewaffnet mit diesen Tools, auswendig gelernten Routinen und Sprüchen testen die neuen Pick-Up-Roboter dann ihr gelerntes Wissen im Feld. Ihre Erfahrungen teilen viele in einschlägigen Internetforen aus. So wird dem User A zu mehr „Kino“ (zufälligen Berührungen) beim Gespräch mit der „HB 7“ (Hotbabe, Skalawert 7) geraten, um mehr „Attraction“ aufzubauen. User B dagegen soll sein  Glück mit „NEGs“ (negative Komplimenten an sehr gut aussehende Frauen austeilen) versuchen, was diese für ihn erreichbar machen soll. Genau das ist es, was die Pick-Up-Szene verspricht: Erfolg ist erlernbar. Es scheint, als müsse Mann nur die richtigen Knöpfe drücken, der Bedienungsanleitung folgen und das Ziel ist erreicht.

Eine Sekte, die Erfolg bei Frauen verspricht?

Sucht man jedoch nach Misserfolgen mit den Methoden des Pick-Up, so muss man tief graben. Kritik am gesamten System kommt nur sehr schwer nach außen. So wird allenfalls die mangelhafte Ausführung eines PUA bemängelt, die Evidenz der Methode scheint jedoch unantastbar. Die gesamte Lehre des Pick-Up bildet ein in sich geschlossenes Glaubenssystem in dem die Anführer der Szene verehrt werden wie Götter. Parallelen zu einer Sekte findet sich auch durch die klare Abgrenzung von „Ungläubigen“, womit der Erfolg der Methoden hoch gehalten wird. Ein Meister in der Kunst der Verführung kann nur werden, wer die einschlägigen Seminare besucht und seine Erfahrungen mit anderen PUA teilt. Dabei kommen dann eigene Codes, ja sogar eine auch für Sekten typische eigene Sprache der Szene zum Einsatz.

Ein fragliches Konzept – eine Dauerlösung?

Es kann grundsätzlich immer helfen, ein paar Werkzeuge in seinem Koffer zu haben, um bei Frauen gut anzukommen. Dazu zählen jedoch weder Muster-SMS, aufgesetzte Verhaltensweisen noch pseudowissenschaftliche Methoden. Denn Roboter finden nämlich nur die wenigsten Frauen toll. Pick-Up kann eingeschüchterten Männern grundsätzlich Impulse geben, um wieder Kontakte mit Frauen zu knüpfen. Die meisten dieser enttäuschten Männer bleiben der Szene so allerdings nur kurzzeitig treu. Denn im Grundsatz seiner Lehre: Aufreißen, ins Bett steigen und weiterziehen bietet Pick-Up keine dauerhafte Erfüllung. Kontakte, Sex und Aufmerksamkeit dienen hier nur als Schmerzmittel – das eigentliche Problem der meisten dieser Männer, die Pick-Up betreiben, nämlich ein geringes Selbstwertgefühl und zu wenig Selbstliebe, bleiben dabei unbeachtet. Und diese lassen sich nicht durch auswendig gelernte Routinen steigern.

Das große Problem der Szene ist die Vermittlung eines falschen Menschenbildes. Nämlich, dass der normale Charakter eines Mannes längst nicht mehr ausreicht, um einen Partner zu finden. Frauen müssen manipuliert werden, dass sie Männer attraktiv finden. Das ist laut Pick-Up möglich durch logische und rationale Methoden, die die Möglichkeit einer Ablehnung auf null reduzieren. Das klingt einfach und begeistert einsame Männer. Das gesamte PUA-System basiert jedoch auf einer einzigen Lüge:  Männer wird vermittelt, dass sie Frauen knacken können wie ein billiges Zahlenschloss. Was das „Pick-Up-Artist-System“ jedoch vergisst ist, dass Frauen Menschen sind, mit Gefühlen, Verstand und vor allem Menschen mit Ehre.

 

 

 

 

 

 

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