Snowden – eine Filmrezension

„Terrorismus ist der Vorwand,

politische und wirtschaftliche Kontrolle das Ziel“

Mit dem packenden Polit-Drama „Snowden“ verfilmt der Hollywood-Regisseur Oliver Stone die Geschichte des Whistleblowers Edward Snowden. Thema des Films sind nicht die Konsequenzen aus dem Handeln des Protagonisten, welches einen weltweiten Skandal über die Abhör- und Überwachungsmethoden der amerikanischen Geheimdienste folgen ließ, sondern der Entschluss Snowdens, mit seinem Wissen an die Öffentlichkeit zu treten. Die Geschichte stellt ihn als Helden dar und appelliert gleichzeitig an die Emotionen der Zuschauer. Wie erzählt man eine Geschichte, die weltweit live mitverfolgt werden konnte? Was kann man davon mitnehmen?

Wie alles begann

Der Film beginnt in Hong Kong im Juni 2013. Und zwar an dem Ort, an dem Snowden das erste Mal die Dokumentarfilmerin Laura Poitras und die Journalisten Glenn Greenwald und Ewen MacAskill trifft. Dort entwerfen sie eine Strategie, um die von Snowden gesammelten Beweise und Dokumente an die Öffentlichkeit zu bringen. Snowden ist überzeugt davon, dass alle BürgerInnen ein Recht haben, zu erfahren, dass die Behörden – weit über ihren offiziellen Auftrag hinaus – Daten sammeln und selbst die Kommunikation von unverdächtigen Bürgern überwachen. Über Nacht wird Edward Snowden damit zum Volkshelden.

Im Anschluss wird der Zuschauer in die Anfänge der Geheimdienstkarriere des IT-Spezialisten eingeweiht und verfolgt die sich wandelnde Sicht von Snowden auf die Welt. Seine unkritische und regierungstreue Haltung wird dabei nicht nur von seiner Arbeit geprägt: Eine entscheidende Rolle übernimmt seine liberal eingestellte Freundin Lindsay Mills, die ihm politisch die Augen öffnet. Die Liebesgeschichte macht den Protagonisten nahbar und ist „neu“ für alle, die den Spionageskandal in den Medien verfolgt haben. Sicher spielt der Hollywood-Charme bei der Dramaturgie des Filmes genau in diesen Szenen eine entscheidende Rolle. Dabei ist der Film ebenso sehr ein Psychogramm des Whistleblowers Snowden, eine Liebesgeschichte, ein zeitgeschichtliches Drama als auch ein politisches Aufklärungsstück.

Jedoch erscheinen die Szenen, in denen die Überwachungsmethoden gezeigt werden, etwas überspitzt. Wenn unter dem Deckmantel des Anti-Terrorkampfes mit allen Mitteln knallharte Handelsspionage betrieben wird, hat das etwas Unwirkliches. Ist diese im Film also maßlos überzogen oder doch real?

Maßlos überzogene Darstellungen?

Tatsächlich tauchen in den veröffentlichten Dokumenten Snowdens genau die im Film erwähnten Programme und Funktionen auf. Beispielsweise das ausführlich beschriebene Programm XKeyscore existiert in der Realität ebenso, wie die Überwachung der Mikrophone und der Webcams an PC’s.

Die Super-Suchmaschine XKeyscore ermöglicht die Erfassung von „Zielaktivität in Echtzeit“ und bietet einen „durchlaufenden Pufferspeicher“, der sämtliche ungefilterte Daten umfasst und speichert, die das System erreichen. Das heißt, diese Software kann Informationen und Netzwerke über einzelne Menschen aus den riesigen Datenbanken der NSA zusammenstellen, darstellen und speichern. Übrigens wird das Programm auch vom BND und Verfassungsschutz in Deutschland verwendet. Gesucht werden kann beispielsweise nach einer konkreten E-Mail-Adresse oder Namen, aber auch nach sog. „weichen Kriterien“, etwa der benutzten Sprache in einer Nachricht oder bestimmten Phrasen oder Wörtern. Beunruhigend oder?

Die Sache mit den Webcams und Mikro’s

Im Film wurden Webcams heimlich von NSA-Mitarbeitern eingeschaltet, ohne dass es der Benutzer mitbekommen hat. Snowden reagiert darauf im Film auf die Art, dass er die Kamera am Laptop seiner Freundin abklebt, um wenigstens vor ungewollten Zuschauer geschützt zu sein. Leider kann das aber ebenfalls in der Realität geschehen. Geheimdienste und andere Partnerinstitute der NSA können die Webcam einschalten und den Unwissenden nach Belieben ausspähen. Wenn sie jetzt denken, dass in so einem Fall das Licht neben der Kamera eingeschaltet ist, und Sie als Benutzer genau wissen, ob Sie beobachtet werden, liegen Sie falsch. Hacker können genau diese Funktion deaktivieren.

Ein weiteres Plug-in kann dann zusätzlich das Mikrophon des Endgerätes zuschalten und zeichnet Gespräche in der Umgebung auf. Natürlich kann der NSA egal sein, wenn Sie mit ihrem Partner über den Wocheneinkauf reden. Sobald Unternehmen aber dauerhaft abgehört werden, ist das ein eindeutiger Fall von Industriespionage.

Herzlich Willkommen im Datengefängnis. Was früher als Paranoia oder Verfolgungswahn galt, hat sich seit Snowdens Enthüllungen immer weiter etabliert. Schlimm daran ist, dass wir uns nur schwer dagegen wehren können. Denn jeder hinterlässt elektronische Fußabdrücke im Netz. Darüber sollten wir alle uns informieren. Und nicht zu vergessen: Auch die Vorteile von Big Data sollten im Fokus bleiben. Beide Seiten beleuchte ich ausführlich in meinem neuen Buch „Herzlich Willkommen im Datengefängnis“ .

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