Statements zur Rhetorik von Verlierern zur Landtagswahl SH und NRW 2017

Um die „Verlierer-Rhetorik“ von Albig und Kraft zu analysieren, müssen wir uns mehrere Plattformen ansehen, auf denen die Spitzenkandidaten Wahlkampf betrieben haben.

Wirft man beispielsweise nochmal einen Rückblick auf die NDR Wahlarena, lässt sich faktisch vielleicht kein klarer Sieger festmachen, rhetorisch hingegen sehr wohl. Warum? Hier die wichtigsten Punkte:

  • Gleich bei der ersten Frage einer 16-jährigen Schülerin machte der amtierende Ministerpräsident Albig einen miserablen, rückgratlosen ersten Eindruck ganz im Sinne der stereotypen „Ich war´s nicht-Mentalität“ von Politikern: Er schiebt die Verantwortung für die unhaltbaren Zustände in Schulen wörtlich den Kommunen, der gesamten Gesellschaft und der vorausgegangenen Landesregierung bis 2012 in die Schuhe. Ein solches Verhalten hat dauerhafte Auswirkungen auf die unterbewusste Wahrnehmung der Bürger. Da Politikern, pauschal gesagt, ein schlechter Ruf vorauseilt, begegnen wir ihnen grundsätzlich erstmal mit Skepsis, wenn nicht sogar mit Misstrauen. Man könnte dieses Phänomen leider schon fast als eine Art gesellschaftliche Konditionierung bezeichnen, die es für Politiker im Wahlkampf zunächst einmal zu neutralisieren gilt. Albig macht genau das Gegenteil, indem er den Bürger in seiner Aversion gegen Politiker gleich zu Beginn bestätigt. Wir müssen uns als Analytiker klarmachen, dass tiefenpsychologischen Vorgänge eine größere Rolle in Wahlkämpfen einnehmen. In Deutschland scheint das noch nicht so angekommen zu sein, außer man redet über Propaganda Populismus. Dabei beginnt und endet jegliche Art von Kommunikation in unseren Köpfen!
  • Im Vergleich zu den Gewinnern viel langatmigere Formulierungen, Verschachtelungen und Nebensätze
Rhetorik Experte Michael Ehlers

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beim Kandidatenduell im WDR war Hannelore Kraft ihrem Herausforderer Armin Laschet bei weitem unterlegen:

  • Genau wie Albig unterliegt sie ihrem Gegner beim ersten Eindruck. Sie wirkt sehr kontrolliert und leidenschaftslos, obwohl sie diese anfänglich noch betont. Sind Körpersprache und Gesagtes dissonant, ruft auch das bei dem Zuschauer Ungläubigkeit hervor. Darüber hinaus rechtfertigte und verteidigte sie sich ständig, anstatt anzugreifen und eigene Visionen einzubringen. Fehlende Kreativität und Flexibilität führten zu stetig steigender Frustration und gipfelten letzten Endes sogar in Geschrei.

 

Plattform: Wahlplakate

  • Mit dem Slogan „Wir machen das“ auf dem Plakat des Spitzenkandidaten Albig beabsichtigte die SPD offensichtlich eine Abgrenzung zu Merkels „Wir schaffen das“, die rhetorisch aber völlig misslungen und abgenutzt ist. Zwischen „schaffen“ und „machen“, mag zwar semantisch ein Unterschied bestehen. Allerdings ist der so klein, dass man sich wirklich anstrengen muss, um den in der Umsetzung zu verstehen. In der rechten, unteren Ecke ist unter anderem ein weiterer Satz zu lesen, der uns irgendwie bekannt vorkommt: „Wir können das“ – „Yes we can“. Schon wieder ein halb geklauter Solgan, diesmal von Obama aus seiner Wahlkampagne 2008. Auch optisch ist das Wahlplakat ein eher schlechter Abklatsch von Obamas Wahlplakat zur ersten Amtszeit: Beide Plakate sind in Rot und gelbstichigen Blautönen gehalten. Darüber hinaus posiert Albig im gleichen Stil, wie der ehemalige US-Präsident. Zufall? Wohl kaum.
  • Auch das Wahlkampfplakat von Hannelore Kraft ist dem von Armin Laschet deutlich unterlegen. „NRWIR mit Hannelore Kraft“ ist zwar ein schönes Wortspiel und ein sehr parteiideologischer Slogan, inhaltlich aber leer und, wie bei Albig, einfach abgenutzt. „Wir-Formulierungen“ sollten die Politiker darüber hinaus mit Vorsicht genießen, denn seit der Flüchtlingskrise fühlen sich viele Bürger mit ihren Sorgen nicht mehr wahrgenommen. Ein „Wir-Gefühl“ künstlich erwecken zu wollen, hindert manchen Bürger daran, Vertrauen in eine Partei zu fassen.

Plattform: Interview „Bunte“ vom 20. April:

  • Wörtlich: „Irgendwann entwickelte sich mein Leben schneller als ihres. Wir hatten nur noch ganz wenige Momente, in denen wir uns auf Augenhöhe ausgetauscht habe. Ich war beruflich ständig unterwegs, meine Frau war in der Rolle als Mutter und Managerin unseres Haushaltes gefangen.“ Ich nenne das Fahrlässigkeit im Umgang mit dem eigenen Image. Diese Aussage ist von vielen Frauen, vor allem von Hausfrauen, sicherlich als degradierend empfunden worden. Er hat sich zwar gut geschlagen hinsichtlich bildhafter Sprache und Metaphern wie beim Storytelling. Nur ist er in der Story nicht der Held, sondern der Schurke. Ich bin mir sicher, dass dieses Eigentor auch zu seiner Niederlage beigetragen hat.

====> Verlierer sind diejenigen, die stagnieren. Diejenigen ohne Vision, die aber gerne mit dem Finger auf andere zeigen und sich jeglicher Verantwortung entziehen! Das deutlichste Gegenbeispiel:

Lindner hat die Partei bei 2 % übernommen. Die LINKE-Politiker haben ihn ausgelacht und über den „dauerhaften Tod“ der liberalen Idee gesprochen. Jetzt macht TEMPO Rekordumsätze in Schleswig-Holstein und NRW. Die Generation Y will von ideologischen Denkmustern nichts mehr wissen. Eine Partei hat das reflektiert, begriffen und umgesetzt: Die FDP. Der Rest ist so unfassbar träge und unflexibel in der Ansprache der Bürger, dass rechts und links leider weiterhin Platz ist für ideenlose und frustrierte Politiker.

Auffallend stark war die Rhetorik der Verlierer auf syntaktischer Ebene von langatmigen Ausführungen und Verschachtelungen durchwachsen. Sie bedienen leider viel zu häufig das Klischee des Politikers, der wenig mit vielen Worten sagt.

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